Die Fremden und wir
Die Fremden und wir
Vortrag im Rahmen der Akademie für Gemeinwesen am 17. Juni um 14:00 Uhr im Haus der Generationen und Kulturen. Dr. med. Uwe Langendorf spricht über Probleme und Chancen des Zusammenlebens mit Menschen aus fremden Kulturen.
Heute, in Zeiten der Globalisierung, kommen Menschen aus verschiedenen Kulturen mit einander in Berührung. Es gibt verschiedene Vorschläge, wie das Zusammenleben gelingen soll: Assimilation, Integration und Multikulturalität.
Wenn Fremde aufeinander treffen, weckt dies Ängste auf beiden Seiten. Missverständnisse, Vorurteile, Störungen und Ärger sind die Folgen. So wird aus der Furcht eine Gegnerschaft. Die Einheimischen rücken zusammen und schließen sich gegen die Fremden ab und umgekehrt. So entstehen Ghettos, die die Gräben immer mehr vertiefen.
Problematisch ist auch die Situation der Kinder dieser Fremden, die hier im Lande aufgewachsen sind. Sie gehören beiden Seiten an, aber zu keiner ganz und gar. So finden sie sich zwischen den Fronten, fühlen sich von beiden Seiten abgelehnt und reagieren ihrerseits mit Rückzug, Ablehnung und Aggression.
Wie können wir die Spaltungen überwinden und wollen wir das überhaupt? Wäre es uns lieber, in abgegrenzten Bezirken zu leben, wie in manchen Gegenden der Dritten Welt? Wie lassen sich die Konflikte entschärfen? Meistens reagieren Menschen auf Fremde, indem sie sich selbst besser und die andern schlechter machen. Manchmal ist es auch umgekehrt: Sie machen sich selbst schlecht und idealisieren die anderen. Oder beides nebeneinander. Das sind keine guten Voraussetzungen für ein Zusammenleben.
Wichtig ist ein gutes und stabiles Selbstbewusstsein, dann aber auch die Bereitschaft, die Fremden daneben bestehen zu lassen. Das ist ein mühsamer Weg, oft ein Balanceakt. Doch zuletzt kann es zu einem guten Zusammenleben führen, von dem beide Seiten Gewinn haben Vielleicht wundert man sich eines Tages, dass man jemals Vorbehalte gehabt hat.
Dr. med. Uwe Langendorf hat in Freiburg und Hamburg Medizin studiert. Seit 1968 in Berlin absolvierte er eine Ausbildung zum Psychoanalytiker. Er arbeitet in eigener Praxis und ist Dozent am Institut für Psychotherapie Berlin.